Josef Fleischmann

Maurergehilfe. Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime. Hingerichtet.

* 1912    † 1943

 

Lebenslauf

Josef Fleischmann wurde am 13.7.1912 in Kottingbrunn (Niederösterreich) geboren. Er arbeitete als Maurergehilfe. 1930 schloß er sich der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Österreich, 1932 dem republikanischen Schutzbund an. Josef Fleischmann war verheirateter Familienvater.

Verbindungsmann der KPÖ, Weiterleitung kommunistischer Flugschriften

Josef Fleischmann agierte als Verbindungsmann der KPÖ zwischen Kottingbrunn und Baden, übernahm Mitgliedsbeiträge und leitete kommunistische Flugschriften weiter.

Widerstand, Verhaftung, Todesurteil

Am 16. 3. 1942 wurde Josef Fleischmann verhaftet und am 11. 11. 1942 gemeinsam mit Karl Pansky, Anton Heřmann, Leopold Hörbinger, Anton Heilegger und Franz Maier (alle hingerichtet) zum Tode verurteilt. Am 16.6.1943 wurde er im Landesgericht I in Wien hingerichtet.

Theodor Hnup berichtet

„Der Fleischmann Seppi und ich, wir haben beide Besuch gehabt im Landl, Frau Fleischmann hat den kleinen Seppi mitgehabt, der war vielleicht anderthalb Jahre. Der Sepp versucht, die Hand von seinem Kind zu streicheln, die Maschen vom Gitter sind aber so dicht, dass nicht einmal die kleine Hand durchgeht. Nur einen Finger von dieser Kinderhand kann der Sepp berühren und will ihn küssen – da brüllt die Wache schon wie verrückt, Seppi wird weggerissen, die Besuchszeit wird beendet. Sepp hat sein Kind nie wieder gesehen.“ 

Gedenkstein, Denkmal, Benennung einer Verkehrsfläche nach Josef Fleischmann

Sein Name steht auf dem 1954 enthüllten Gedenkstein am Friedhof in Kottingbrunn sowie am dortigen Kriegerdenkmal; ebenso auf der Gedenktafel der Enzesfelder Metallwerke; eine Verkehrsfläche in Kottingbrunn ist nach ihm benannt (Josef-Fleischmann Gasse).

Gedenkort - Landesgericht für Strafsachen Wien

Im ehemaligen Hinrichtungsraum des Landesgericht für Strafsachen Wien findet sich sein Name auf einer der Gedenktafeln.

Gedenkort - Zentralfriedhof, Gruppe 40

Am 2. 10. 1946 exhumiert nach Friedhof Kottingbrunn.

In der Gruppe 40 wurden die im Wiener Landesgericht Hingerichteten beerdigt. 2013 wurde die Gruppe 40 zur Nationalen Gedenkstätte erklärt.

Quellen und Bildnachweise

  • Texte aus Willi Weinert, "Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer". 4. Auflage Wiener Stern Verlag, 2017
  • Bühnenbild Guillotine: Leihgeber Kurt Brazda
  • Alle anderen Bilder: Privatbesitz / Verein Zur Erinnerung

Weiterführende Informationen

  • DÖW Katalog zur permanenten Ausstellung. Hg. v. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands, Wien 2006
  • Wolfgang Neugebauer, Der österreichische Widerstand 1938-1945, Wien 2008
  • Die Geschichte des Grauen Hauses und die österreichische Gerichtsbarkeit, Wien 2012
  • DÖW (Hg.) Widerstand und Verfolgungen in den österreichischen Bundesländern (Wien, Burgenland, Oberösterreich, Tirol, Niederösterreich, Salzburg), Wien 1975-1991
  • Heinz Arnberger, Claudia Kuretsidis-Haider (Hg.) Gedenken und Mahnen in Niederösterreich. Erinnerungszeichen zu Widerstand und Verfolgung, Exil, Befreiung, Wien 2011
  • Brigitte Bailer, Wolfgang Maderthaner, Kurt Scholz (Hg.), „Die Vollstreckung verlief ohne Besonderheiten“, Wien
  • Herbert Steiner, Gestorben für Österreich. Widerstand gegen Hitler. Eine Dokumentation, Wien 1995
  • Herber Steiner, Zum Tode verurteilt: Österreicher gegen Hitler. Eine Dokumentation, Wien 1964
  • Willi Weinert, „Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer“. Biografien der im Wiener Landesgericht hingerichteten WiderstandskämpferInnen gegen das NS-Regime. Ein Führer durch die Gruppe 40 am Wiener Zentralfriedhof. 4. Auflage Wiener Stern Verlag 2017
  • Lisl Rizi, Willi Weinert, „Mein Kopf wird euch auch nicht retten“. Korrespondenzen österreichischer WiderstandskämpferInnen aus der Haft. 4 Bände. Wiener Stern Verlag 2016

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